Klassische Händler leben im Mittelalter?

Oliver Samwer war anscheinend gut in Fahrt auf dem Konsumgüterforum CGF in Paris, wie das Handelsblatt berichtet:

„Geschäfte sind Mittelalter. Sie wurden nur gebaut, weil es kein Internet gab. Wer heute mit dem Handel neu anfange, brauche keine Läden. Sie verstehen das nicht, weil Sie zu alt sind und zu alte Kunden befragen.

Klar ist: die Samwers wollen Rocket Internet an die Börse bringen. Rocket Internet entwickelt in erster Linie E-Commerce Unternehmen und das übrigens strukturiert wie eine Fabrik für Massenkonsumgüter – oder, wie es auf der eigenen Website heißt: “building online companies since 1999″. Daher kann die Zukunft aus deren Sicht nur im digitalen Umfeld liegen.

 

Rocket-Internet-Logo

 

Und er setzt noch einen drauf:

Wer die Zukunft kennenlernen wolle, müsse 15-Jährige fragen, die alles per Smartphone erledigten.

Aber ist das wirklich so? Macht es Sinn, sich zur Zeit auf die Zielgruppe der 15-Jährigen zu stürzen? Oder auf eine reine Online Experience? Wie so üblich, sind pauschal alle Pauschalisierungen Unsinn.

 

Zum einen gibt es viele Länder, in denen eine unvorteilhafte Altersverteilung nahelegt, weiterhin Konzepte für eine alternde, sehr kaufkräftige Bevölkerung zu entwickeln. Rocket Internet investiert weltweit, damit auch in Ländern, in denen man die junge Generation im Auge behalten sollte – aber gerade in Europa, wo Oliver Samwer seinen Vortrag gehalten hat, sieht es ja (leider) anders aus.

Zum anderen ist der Wunsch nach Online oder Offline Kauf sehr abhängig vom Produkt und vom (Wieder-) Kaufsstatus des Shoppers. Produkte, die ich bereits kenne, bzw. deren Spezifikationen ich Online gut vergleichen kann, shoppe ich natürlich lieber dort. Wenn ich es mir aber vorher ansehen, anprobieren oder sogar gleich mitnehmen will, dann ist Online Shopping (noch) nicht der richtige Kanal. Auch bieten Online Shops trotz aller Bemühungen immer noch nicht dasselbe Einkaufserlebnis wie ein ansprechend eingerichtetes Ladengeschäft.

 

Online Shopping wird weiter zunehmen, soviel ist sicher. Das besagen alle Studien, die man so finden kann:

 

Ecommerce Forecast Europe bis 2017

 

Klar ist auch: der stationäre Handel muss einen neuen Mehrwert bieten. Einfach nur “da zu sein” wird nicht mehr reichen. Das erleben zur Zeit gerade die etwas fantasielos geführten Vollsortimenter wie Karstadt oder Kaufhof. Nischen-Lädchen mit gutem Konzept spriessen aber weiterhin aus dem Boden, teilweise auch als “Popup Stores” für kurze Zeit. Es scheint also weiterhin ein gewisses Interesse am Bummeln und Shoppen zu geben. Aber eben mehr als Erlebnis statt als Routine-Aufgabe. Letztere werden ohne Frage eher mit dem Tablet auf der Couch im heimeligen Wohnzimmer abgewickelt.

 

 

Techtalk2000: e-Commerce goes Hangout

 

Letzte Woche war ich zu Gast beim TechTalk 2000 – einem Google Hangout on Air zu allen möglichen Tech Themen. Diese Episode titelte “TechTalk 2000 “e-Commerce goes Hangout” – mich hatte man aufgrund meiner Erfahrungen mit dem Vanille Shop eingeladen.

Die Diskussion war sehr interessant, Themen waren u.a. der Status Quo im Online Handel, große Player vs Nischen-Shops, Online-Handel vs Offline und die Auswirkungen auf das Shopping Erlebnis der Innenstädte.

Das folgende Video ist der Live-Mitschnitt des Tech Talks:

 

YouTube Preview Image

 

Leider hatten wir technische Probleme, im Hangout wechselt das Bild nicht zu den jeweiligen Sprechern. Daher kann man sich das Ganze auch als Audio Datei zu Gemüte führen:

 

 

Die Gäste:

Florian Treiß
Philipp Kannenberg
Oliver Wolf
Roland Hachmann
Andreas Plöger / TUP-Redaktion
Markus Henkel / Moderator.

 

 

Webfundstücke aus den letzten Wochen.

 

Dieses Blog hat heute auf den Tag genau seinen 8. Geburtstag, am 30. Januar 2005 schrieb ich den ersten Blogpost, nicht wissend, in welche Richtung ich mit dem Blog wollte. (Im zweiten Blogpost folgte bereits eine erste Empfehlung eines weiteren Advertising Blogs, das auch immer noch am Start ist.)

Aufgrund verschiedener Engagements @work und mit dem Vanille Shop, den ich zur Zeit aufbaue (wir launchen demnächst eine komplett neu aufgesetzt E-Commerce Plattform) war es in diesem Blog in letzter Zeit etwas ruhiger. Damit das Blog in Zukunft wieder seiner Aufgabe gerecht wird – die Dokumentation der besten Webfundstücke zu Digital Marketing & Advertising – wird es mehr Posts wie diesen geben: eine Linkliste.

 

Eine Sammlung von 5 Content Marketing Infografiken, die man sich ansehen sollte. Content Marketing wird eh immer wichtiger für Marken.

 

McDonalds hat in Australien eine App erstellt, mit der man per AR sehen kann, wo die einzelnen Lebensmittel herkommen.

 

In der Absatzwirtschaft schreiben Gastautoren über neue Geschäftsmodelle dank Social CRM. Jep, Social CRM ist neben Content Marketing ein weiteres wichtiges Buzzword für 2013. (Oh Schreck, ich habe dieses Jahr gar kein “Trend Blogpost” geschrieben – dabei haben wir in der Agentur wieder jede Menge dazu recherchiert…)

 

Facebook hat anscheinend einen Effekt auf das Gedächtnis. Postings prägen sich besser ein als Gesichter von fremden Menschen. Das hätte mein Bauchgefühl auch ohne Studie gesagt.

 

Wer sich gerne mit VWL Themen auseinandersetzt (wie ich z.B. – schliesslich habe ich in Economics meinen Abschluss gemacht), wird diese Theorie gerne lesen. Philipp Klöckner beschreibt, warum Google sein Wachstumspotenzial zur Zeit komplett ausgereizt hat.

 

Eine sehr interessante Debatte über SEO hat sich gegen Ende Dezember im Smashing Magazine ergeben.

 

Und zu guter Letzt – auch wenn es nichts mit Marketing/Werbung zu tun hat: die Deutsche Neid-Debatte hat endlich ihren Weg auf Facebook gefunden. Deutsche sind nach der Nutzung von Facebook unglücklicher als vorher, weil sie die positiven Postings ihrer Facebook Freunde frustrieren. Na Moin, dann geht eben nicht auf Facebook! Was für ein Blödsinn.