Fünf am Freitag. Fragen an mich – aus dem Ethority Blog.

Letzten Freitag stellte mir das Team von Ethority im Rahmen der Reihe “Fünf am Freitag” ein paar Fragen. Hier sind die Fragen und meine Antworten für alle, die diese letzten Freitag nicht gelesen haben:

1. Social Media Monitoring in 2012: Aus Ihrer Sicht zwingend erforderlich oder nur zusätzliches Tool in einer Strategie?

Social Media Monitoring ist ein zwingend erforderliches Tool in einer Strategie. Wie häufig und wie detailliert ein Unternehmen Social Media Monitoring betreibt hängt von der jeweiligen Marke und Social Media Strategie ab. Das Zuhören, Auswerten und Ableiten von Handlungen ist jedoch für jedes Unternehmen heutzutage ein Muss.

Für uns als Kreativagentur leistet Social Media Monitoring an zwei Stellen im Prozess einen Wertbeitrag: Anfangs hilft es uns, wertvolle Consumer Insights für das Kreativbriefing zu gewinnen. Zum Abschluss einer Kampagne, Social Media Aktion oder einfach nur zum Ende eines bestimmten Zeitabschnitts, können wir anhand des Monitorings den Erfolg und die Wirkung unserer Tätigkeiten hinsichtlich der Gespräche und Meinungen zur Marke im Web messen.

2. Wo sehen Sie die wichtigsten Trends im Social Commerce?

Aus Markensicht wird es weiterhin wichtig sein, möglichst nahe an oder sogar mitten in den Netzwerken der Zielgruppe zu sein. Daher werden wir noch sehr viel mehr Commerce auf Facebook sehen. Die Möglichkeiten hinsichtlich Sharing sowie Newsfeed-Meldungen können zu schwarmhaften Einkaufsverhalten führen, was interessante Möglichkeiten für Marken eröffnet. Ob Social Commerce Features von den Nutzern angenommen werden wird, muss sich natürlich zeigen.

Aus Sicht der Zielgruppe sind Informationen aus dem eigenen Social- oder Interestgraph während des Kaufprozesses im Prinzip durchaus interessant. Wer von meinen Freunden oder meinen Kontakten mit ähnlichen thematischen Interessen hat das gleiche gekauft, was haben sie damit kombiniert? Ein extrem interessanter Mehrwert für die Zielgruppe.

3. Wie bewerten Sie die aktuelle Debatte rund um das Thema ROI im Social Media?

Die Frage muss dringend gelöst werden. Social Media hat in vielen Unternehmen einen festen Platz im Marketing Mix bekommen, dennoch sind viele Marketingverantwortliche weiterhin unsicher was den Wertbeitrag von Social Media betrifft.

Es gibt viele Messgrößen, die als KPI herangezogen werden, in Ermangelung von Erfahrungswerten können diese jedoch nicht klar beurteilt, geschweige denn mit anderen KPI im Bereich der Marketing Kommunikation verglichen werden.

Viel zu oft wird nach dem direkten Abverkaufs- oder Vertriebsanbahnungsbeitrag gefragt. Dieser lässt sich aber nur selten konkret ermitteln. Stattdessen tragen viele Social Media Marketing Aktionen zum Image der Marke und zur Kunden- oder Prospectbindung bei. Aber auch hier gibt es noch keine allgemein etablierten und anerkannten KPI. Was ist ein Fan wert, was ein “Like” oder ein Kommentar?

In anderen Bereichen (z.B. Klassische Werbung) wird für viele KPI Marktforschung betrieben. Im Social Media Bereich ist das selten der Fall. Ich vermute das liegt u.a. daran, dass die vielen im Online Bereich messbaren KPI wie z.B. Klicks oder Visits eine Statistik-Nebelwolke produzieren, sodass andere sehr wichtige Faktoren (Awareness, Image, Einstellung zur Marke, etc.) gar nicht erst in Betracht gezogen werden. Auch Gesprächs- und Stimmungs-KPI wie sie in einem Social Media Monitoring ermittelt werden, haben noch keinen adäquaten Stellenwert in der Erfolgmessung erreicht.

Das ist schade, denn ich glaube mit den richtigen branchenweit oder zumindest unternehmensweit anerkannten Methodiken könnte Social Media sehr viel besser seinen Wertbeitrag im Marketing Mix beweisen.

4. Was fasziniert Sie an Social Media besonders?

Das könnte eine längere Antwort werden… Mich begeistern die Möglichkeiten, die User heutzutage haben, selbstbestimmte Mediennutzung zu genießen. Die Möglichkeit zu vernetztem Dialog, Interaktion mit Marken und Unternehmen. Die Möglichkeiten der Selbstdarstellung durch einfachste Publikationsmöglichkeiten in großen oder kleinen Netzwerken. Jeder kann heutzutage in jeglicher Nische Gleichgesinnte finden und sich mit ihnen austauschen.

Beruflich ist es für mich eine konsequente Evolution dessen, was ich seit 1998 mache: Online Marketing, Interactive und Direkt Marketing und jetzt eben Social Media Marketing. Marketing Kommunikation auf Beziehungsebene.

5. Bevorzugen Sie Facebook oder Google+ ? “Liken Sie noch, oder Plussen Sie schon?”

Für private Zwecke bevorzuge ich weiterhin Facebook, da sich mein privates soziales Netzwerk fast ausschließlich dort aufhält und postet. Google+ wird beruflich immer wichtiger, allerdings eher in ähnlicher Art und Weise, wie Twitter: dort verfolge ich vorrangig Links + News aus der Branche. Bisher hat sich G+ aber noch nicht als gleichwertig gezeigt.

6. Head of SoMe Marketing bei DDB Tribal Hamburg GmbH – wie können wir uns das vorstellen? Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Neben E-Mails checke ich morgen als erste meine Feeds und Twitter Timeline. Um 9:45h hat unsere Social Media Taskforce ein 15 minütiges “Trendscouting” Meeting – jeder aus dem Team ist aufgefordert, ein interessantes Social Media Netzfundstück der letzten 24h zu zeigen. Der Rest des Tages ist angefüllt mit Projektmeetings in der Taskforce oder mit anderen Teams der Agentur (Beratung, Kreation, Konzeption, etc.) mit denen unsere Taskforce Social Media Projekte zusammen umsetzt. Oder eben mit dem Schreiben von Präsentationen, E-Mails abarbeiten, etc. Abends schreibe ich hin und wieder Blogposts für meine Blogs Netzfischer (www.netzfischer.de) und Web Jungle (www.web-jungle.com). Die Frequenz schwankt allerdings stark je nach Workload im Job. In letzter Zeit war nicht viel Zeit dafür…